Thierse auf „Tour für Demokratie“

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Thierse auf „Tour für Demokratie“

Hansa Rostock
 


Der Bundestagsvizepräsident und Schirmherr der Amadeu Antonio Stiftung Wolfgang Thierse war unterwegs in Mecklenburg. Der Fußballclub Hansa Rostock unterstützt die Kampagne "Kein Ort für Neonazis".


Wolfgang Thierses „Tour für Demokratie“ im Rahmen der Kampagne "Kein Ort für Neonazis" in Mecklenburg-Vorpommern startete 20. September 2010 in Ludwigslust. Hier besuchte er „Lola für Lulu“, ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung. Das Projekt unterstützt Mädchen und junge Frauen im Landkreis Ludwigslust, sich gegen Rechtsextremismus zu positionieren und selbstbestimmt die demokratische Kultur vor Ort jenseits klassischer Geschlechterbilder zu beeinflussen.

Themen der Gesprächsrunde waren die Aktivitäten der NPD und der Kameradschaften im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns. Thierse interessierte vor allem welche Themen die NPD bedient, um Bürgerinnen und Bürger anzusprechen. In Mecklenburg-Vorpommern sind diese Themen zurzeit sexueller Missbrauch von Kindern, regionale Umweltprobleme und die Kreisgebietsreform im nächsten Jahr. In dem sich die Partei dieser Themen annimmt, inszeniert sie sich in der Rolle der „Kümmerer“. Den Vertretern der demokratischen Parteien sind diese Sorgen der Bevölkerung nicht unbekannt. Nur geben sie im Gegensatz zur NPD nicht vor, die Lösung für alle Probleme parat zu haben. Angesichts leerer Kassen bieten sich die Lösungen nicht so einfach an. Ein Fakt, den die NPD in ihrer Selbstdarstellung ausblendet. Die NPD ist außerdem da, wo demokratische Parteien aufgrund mangelnder Mitgliederzahlen nicht sind – dort, wo auch zivilgesellschaftliches Engagement bisher kaum Fuß gefasst hat. Mit kostenlosen Kinderfesten kann die NPD an diesen Orten zum Beispiel ungestört auf Stimmenfang gehen und ihr Image aufpolieren. Dagegen muss sich zivilgesellschaftliches Engagement stellen und auch aufpassen, dass Bemühungen nicht vereinnahmt werden.

Aktionistische Nazis

Ute Lindenau, Bürgermeisterin Lübtheens, berichtete vom Lindenfest, wo die NPD genau diese Vereinhamung versuchte. Motto des von der Bürgermeisterin privat mit Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich organisierten Lindenfestes am vergangenen Samstag war „Demokratie braucht dich!“. Die NPD war bewusst nicht eingeladen worden. Das hielt ihre Mitglieder allerdings weder davon ab mit einem auf Umwegen organisiertem Plakat im NPD-Bürgerbüro dafür zu werben, sich auf dem Festgelände zu zeigen. Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef von Mecklenburg-Vorpommern und Einwohner Lübtheens, mischte sich unter die Besucherinnen und Besucher genauso wie die NPD-Kader Andreas Theißen und Torgai Klingebiel. Jugendliche in orangen T-Shirts versuchten das Fest zu stören indem sie relativ erfolglos Flyer verteilten, die das Engagement für Demokratie und Toleranz diffamierten. Bereits vor Ende des Festes verschwanden sie allerdings wieder mit dem NPD-Infomobil, das das Gelände umkreiste. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich davon allerdings eher genervt als interessiert. Umso erfreulicher war das erfolgreiche Ausgehen des Lindenfests.  Angesichts dieser Geschichten stellte Wolfgang Thierse am Ende der Gesprächsrunde, die Ermutigung für zivilgesellschaftliches Engagement als wichtigsten Punkt in den Vordergrund.

 
Jamel
 

Nationale Dorfgemeinschaft

In Jamel besuchte Wolfgang Thierse das Ehepaar Lohmeyer. Die Lohmeyers organisieren dort jährlich auf ihrem Forthof ein kleines Festival unter dem Motto „Jamel rockt den Förster“. Sie setzen damit ein Zeichen gegen den um sich greifenden braunen Mainstream im Dorf. In dem kleinen Dorf in der Nähe von Wismar, haben sich nämlich mehrere Neonazis angesiedelt. Der Bekannteste von ihnen ist Sven Krüger, Kreistagsabgeordneter der NPD. Krüger ist mehrfach vorbestraft und tief in die Nazi-Szene Mecklenburg-Vorpommerns verstrickt, weshalb der Ort seit Jahren immer wieder in der Presse auftaucht. Am Ortseingang begrüßt ein Findling mit der Aufschrift „Dorfgemeinschaft Jamel – Frei, Sozial, National“ Besucherinnen und Besucher. So auch Herrn Thierse. Gleich daneben steht ein Wegweiser, der unter anderem die Entfernungen nach Narvik, Wien/Ostmark und Königsberg, anzeigt. Weiter hinten im Dorf wird man auch auf ein Banner aufmerksam – „Willkommen in Jamel“ heißt es da. Unterlegt ist das Banner mit einer Lebensbaumrune vor einer aufgehenden Sonne. „Wir wussten, dass ein NPD-Politiker hier wohnt. Aber die anderen kamen alle nach“, sagt das Ehepaar. Das Festival „Jamel rockt den Förster“ steht für Demokratie und Toleranz und entspricht somit nicht den Vorstellungen der meisten Dorfbewohnerinnen und -bewohner… Am Anfang gab es zwar mehrere Auseinandersetzungen mit den Nachbarinnen und Nachbarn, zu ernsten Konflikten ist es jedoch nie gekommen. Wolfgang Thierse versprach zu helfen und riet sich Gleichgesinnte zu suchen, sodass man gemeinsam etwas in Bewegung setzen könnte. Auch die Amadeu Antonio Stiftung bot sich an bei der Finanzierung des Festivals im nächsten Jahr zu helfen.

Kicken ohne Nazis

Beim FC Hansa Rostock, der letzten Station der „Tour für Demokratie“, wurden positivere Töne angeschlagen. Die Fans des Vereins gelten bundesweit eher als der Nazi-Szene nahestehend. Dieses Bild wird auch gerne von den Medien aufrecht erhalten. Allerdings betont der Verein, dass hier das Verhalten Einzelner auf die gesamte Fangemeinschaft projiziert wird. Aber beispielsweise der von den Fans ausgehende Rauswurf Udo Pastörs und anderer NPD-Angehöriger aus dem Stadion zeigen das Gegenteil. Bei den Fans breitet sich mittlerweile das Bewusstsein aus, dass das alte Image ihrem Verein vor allem schadet. Rassistische und antisemitische Äußerungen werden von den Fans im Fanblock nicht mehr toleriert. Dies sieht Wolfgang Thierse als positives Zeichen an: „Hansa Rostock ist der bekannteste Verein in Ostdeutschland. Solche Aktionen sind somit ein gutes Zeichen, vor allem für Jüngere, dass der Verein nicht auf der Seite des Rechtsextremismus steht“. Nach dem Gespräch gab Bernd Hofmann, Vorstand des F.C. Hansa Rostock die Teilnahme an der Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ der Amadeu Antonio Stiftung bekannt. „Mit unserem Engagement wollen wir auch unsere Vorbildwirkung vor allem gegenüber unseren jugendlichen Anhängern gerecht werden“, so Hofmann. Auch Thierse sieht das Engagement Hansa Rostocks als wichtig an. Nicht, weil Hansa Rostock ein Problem hat, aber um zu zeigen, was der Verein von Neonazis hält. „Die Aktivitäten der NPD und der Kameradschaften wirken sich vor allem auf die Jugend aus“, so Thierse. „Deswegen ist es so wichtig, dass Hansa Rostock ein solches Zeichen setzt, denn Fußball ist die wichtigste Sportart in Deutschland, sodass viele Leute schnell auf eine solche Aktion aufmerksam werden“.

Von Philipp Wagner
 

 

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