Demokratie und Lokalgeschichte

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Demokratie und Lokalgeschichte

Stavenhagen

Foto: Robert Kreibig, c

 


Lange Zeit verfiel die Synagoge im mecklenburgischen Stavenhagen. Die Amadeu Antonio Stiftung hat nun gemeinsam mit der Stadt, der Jüdischen Landesgemeinde und der Eigentümerin einen Verein gegründet, um sie wieder aufzubauen.


Schon lange steht das alte Backsteingebäude leer. 1938 wurde es am 9. November mit einem Brandsatz beworfen. Der Brand konnte glücklicher Weise gelöscht werden. Viele seiner Nutzerinnen und Nutzer – deutsche Jüdinnen und Juden – wurden ermordet – von Deutschen. Die Rede ist von der Synagoge in Stavenhagen. Dies ist ein kleiner Ort in Mecklenburg-Vorpommern im Kreis Demmin. Die alte Synagoge in Stavenhagen ist zerfallen. Lange war unklar, was mit ihr geschehen wird. Jetzt wurde der Verein „Alte Synagoge Stavenhagen“ gegründet, um sie wieder aufzubauen.

Wie wurden aus Nachbarn ‚Juden‘?


Seit mehreren Jahren bemüht sich die Amadeu Antonio Stiftung, die Stadt und die Eigentümerin des Grundstücks, an einen Tisch zu bekommen, um über die Zukunft der Synagoge zu beraten. Mit ihrem Wiederaufbau geht es nicht nur darum, ein Gebäude zu sanieren. Vielmehr ist beabsichtigt, einen Ort zu schaffen, an dem Lokalgeschichte sichtbar wird und einen Diskurs über den gegenwärtigen Zustand der Demokratie und das Problem Rechtsextremismus zu eröffnen. „Stadtgesellschaften, in denen konkret darüber diskutiert und erinnert wird, was zur Zeit des Nationalsozialismus' geschah, wie aus Nachbarn ‚Juden‘ gemacht wurden und wer daran beteiligt war, haben heute einen aufmerksameren Umgang mit Demokratiedefiziten als Kommunen, in denen über die Geschichte weitgehend geschwiegen wird“, sagt Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung. „Deswegen ist uns die Auseinandersetzung mit Lokalgeschichte so wichtig“.

Sanierung ab 2012

Mitglied des Vereins wurde Dorothee Freudenberg, deren Urururgroßvater einen Sitz in der Synagoge hatte. Gründungsmitglied ist ebenso Klaus Salewski, Stadtpräsident von Stavenhagen. Er versteht den Vereinszweck in einer Reihe mit einem umfänglichen Programm, mit dem sich die Stadt für eine Erinnerung an die verschiedenen Opfergruppen im NS einsetzt. Die Eigentümerin des Grundstückes, Rosemarie Rieger, wohnt in Konstanz – sie ist froh, dass die Synagoge nun wieder aufgebaut werden soll. Viele Anregungen erhofft man sich von Robert Kreibig, der gemeinsam mit dem Verein „Land und Leute“ die Synagoge im nicht weit entfernten Röbel wieder aufgebaut hat. Vorsitzende des Vereins ist Heike Radvan, ihre Stellvertreterin Dorothee Freudenberg. Gründungsmitglieder des Vereins wurden auch der Landesrabbiner William Wolf, der Architekt Hans-Dieter Albrecht und Anetta Kahane. Bis Ende August wird nun ein Kostenplan zur Sanierung aufgestellt, um Förderanträge stellen zu können. Ab 2012 kann es dann hoffentlich los gehen.

Von Nora Winter
 

 

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