Erzieherinnen gegen Rechtsextremismus starkmachen

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Erzieherinnen gegen Rechtsextremismus starkmachen

Kita

© Foto, Vlad B. via flickr, cc

Foto, Vlad B. via flickr, cc

 

 

Der Familie wird im Rechtsextremismus eine besondere Bedeutung zugeschrieben, Familiengründung und Kindererziehung gelten als wichtigste Aufgaben einer „deutschen Mutter“. Es verwundert daher nicht, dass Rechtsextreme sich bewusst für Ausbildungsplätze im pädagogischen Bereich interessieren und mitunter Kinder- und Jugendeinrichtungen regelrecht unterwandern. Wie damit umgehen, wenn in der Berufsschulklasse Neonazist_innen über deutsche Bräuche und „volkstreue“ Erziehung sprechen, was tun, wenn Kinder rechtsextremer Eltern in der Kita vom Julfest erzählen und wie können Elternbeiräte vor rechtsextremer Einflussnahme geschützt werden?

 
Die Initiative TeBa (Team für emanzipatorische Bildungsarbeit) veranstaltete am 20. Januar 2011 in der KLAX-Fachschule für Erzieher_innen in Berlin einen Projekttag zum Thema „Rechtsradikale Strukturen in der Ausbildung und im Berufsalltag von Erzieher_innen“, der von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wurde. „Wir möchten die angehenden Erzieher_innen darin bestärken, sich mit neonazistischen, antisemitischen sowie rassistischen Äußerungen und Handlungen im Rahmen ihres Tätigkeitsfeldes auseinanderzusetzen“, erklären Tina Müller und Christopher Fritzsche vom TeBa ihre Motivation.

 
Je 2 Referent_innen der Initiative TeBa arbeiteten mit 35 Studierenden in vier Kleingruppen. Zunächst wurde über die Dimensionen des Begriffs Rechtsextremismus im Allgemeinen gesprochen. Rechtextremismus wurde dabei als ein Phänomen in der Mitte der Gesellschaft thematisiert. Im Anschluss daran erfolgte eine individuelle Vertiefung in den einzelnen Gruppen. Die Teilnehmenden konnten zwischen vier Themen wählen: Dem Vergleich zwischen nationalsozialistischer und emanzipatorischer Kinderbuchliteratur unter Einbezug historischer Quellen, Männlichkeitsbildern in der rechten Szene, rechtsextreme Pädagogik am Beispiel der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) oder Rassismus in Kinderbüchern der Gegenwart.

 
Im Anschluss an die Kleingruppenarbeit fand das World-Café statt. Dabei kamen die Studierenden in selbst gewählter Zusammensetzung an verschiedenen Tischen mit Vertreter_innen einzelner Institutionen ins Gespräch. Vertreter von „cultures interactive“, „Eltern gegen rechts“, dem Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) und von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr) Berlin sprachen mit den Interessierten über Themen, die sich an Situationen und Herausforderungen im Berufsleben der angehenden ErzieherInnen orientierten: Wie gehe ich mit rechten Eltern um, deren Kinder in der Kita sind? Und wie begegne ich rassistischen Äußerungen von Heranwachsenden bei meiner Arbeit im Jugendclub?

 
Die Resonanz der Teilnehmer_innen war sehr positiv. Die Arbeit in den Kleingruppen wurde auf Grund der vertraulichen Atmosphäre sowie der Ermöglichung einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik geschätzt. Wiederholt äußerten die Studierenden den Wunsch nach mehr Zeit beziehungsweise einer Fortsetzung des Projekttages. Darüber hinaus besteht beim Lehrerkollegium der Erzieherfachschule ein großes Interesse an einer eigenen Fortbildung zu dieser Thematik. Ein ausführliches Feedbackgespräch mit den Studierenden der KLAX-Schule wird Ende Februar stattfinden.
 

Von Tina Müller und Ulla Scharfenberg

 

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