Asylbewerber sind kriminell und gefährlich!?

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Asylbewerber sind kriminell und gefährlich!?

 

Flüchtlinge sind so verschieden, wie Menschen eben sind.


Einzelne, drastische Fälle von Straftaten durch Flüchtlinge wühlen auf, wecken Emotionen und prägen so die Sichtweise einiger Menschen auf Flüchtlinge. Tatsächlich gibt es aber keine Hinweise darauf, dass mit den neu hinzugekommenen Flüchtlingen der vergangenen Jahre die Anzahl der Straftaten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung massiv zugenommen hat.[i] Die Zahl der Strafanzeigen ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 % gestiegen und im Jahr 2016 um 0,7 % gesunken, zählt man ausländerrechtliche Vergehen wie etwa die für Flüchtlinge kaum vermeidbare illegale Einreise oder Verstöße gegen Wohnsitzauflagen jeweils nicht mit.[ii]

Statistiken zufolge ist der Anteil von straffällig gewordenen Personen in der Gruppe der Menschen ohne deutschen Pass (von denen neu hinzugekommene Flüchtlinge nur eine Teilgruppe sind) tatsächlich proportional höher als bei den deutschen Staatsbürger*innen. Das steht aber weder mit der Herkunft noch der Religion der Zugewanderten in Zusammenhang. Kriminologische Sachverständige erklären, dass Kriminalität nicht mit einer bestimmten Staatsangehörigkeit zusammenhängt, sondern in der Regel mit konkreten Lebenslagen.[iii] So finden etwa Straftaten innerhalb von Großunterkünften für Asylsuchende statt, wo viele einander unbekannte Menschen auf engstem Raum mit stark eingeschränkter Privatsphäre und wenig Beschäftigungsmöglichkeiten zusammenleben müssen.

Flüchtlinge und Menschen mit Migrationsbiografie haben es schwerer, einen qualifizierten Abschluss, die gewünschte Ausbildungsstelle oder einen Job zu bekommen. Ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist also oft besonders eingeschränkt. Diese Menschen haben daher ein höheres Risiko, in eine Lebenssituation zu rutschen, die Straffälligkeit begünstigt. Andersherum heißt das: Gesellschaftliche Integration und eine Lebensperspektive sind ein Schlüssel zur Vermeidung von Straffälligkeit – bei Menschen mit und ohne deutschen Pass.

Letztendlich sind „Ausländer“ oder „Flüchtlinge“ so unterschiedlich wie andere Menschen eben auch – weder sind alle nett und harmlos, noch sind alle gemein und gefährlich. Der weit überwiegende Teil der Zugezogenen verhält sich rechtskonform.


 


[i] Siehe etwa FOCUS (Meldung vom 06.07.2016): „Studie verneint Vorurteil: Migranten begehen nicht mehr Straftaten als andere“.

[ii] BMI: „Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2015 (PDF-Dokument)“ und „Bericht zur Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2016 (PDF-Dokument)“.

[iii] Siehe z.B. ZDFzeit (Sendung vom 06.12.2016): Dokumentation „Mehr Ausländer, mehr Kriminalität? Der große Faktencheck“ oder ZEIT ONLINE (Meldung vom 29.12.2016): „Zuwanderung und Kriminalität: Wenn man es nur genauer wüsste“.

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS